Hurra, er läuft wieder

Es ist schon eine ganze Weile her – genau genommen 22 Jahre – da lief ich die 10 km unter 37 Minuten. Damals war ich fanatischer Radsportler und verbrachte meine Winter mit Querfeldeinrennen und Winterlaufserien, um auch die kalte Jahreszeit mit Aktivitäten zu füllen. Dies alles fand neben meinem Studium statt und irgendwann war es dann Zeit im Beruf Fuß zu fassen. Meine sportlichen Bemühungen ebbten deutlich ab und so kam ich später nur noch sporadisch dazu, Sport zu treiben.

Im Februar 2014 begann ich wieder regelmäßig zu laufen. Eigentlich zunächst, weil ich gesundheitliche Probleme hatte. Ich war zu schwer, hatte hohe Anforderungen im Beruf, schlief sehr schlecht und war damit immer weniger belastbar. Dann kamen die ersten Krankheiten, die mich aus der Bahn warfen. In 2013 startete ich zwar schon einige Versuche wieder mit dem Laufen zu beginnen, die waren aber eher von mangelndem Durchhaltevermögen und dem Kampf gegen meinen Körper geprägt. Mit dem Auftreten der Krankheiten wollte ich das konsequent ändern. Mir fehlte schon lange die Bewegung und das im doppelten Sinne. Meinem Körper fehlte Bewegung, aber vor allem mein Kopf sehnte sich nach dem, was mit sportlicher Aktivität verbunden ist. Dazu zählen lange meditative Einheiten, schnelle Querfeldeinläufe, Läufe in den Sonnenauf- oder Sonnenuntergang oder auch Tiere im Wald sehen, die man nur morgens oder abends zu sehen bekommt. Um schließlich lange meditative Einheiten zu bewältigen, ist es zunächst nötig, erst einmal entsprechende Umfänge laufen zu können. Da stand ich jetzt mit meinen ca. 100 Kilo und dem Wunsch, endlich wieder einmal eine Stunde am Stück laufen zu können. So fing ich also mit Viertelstundenläufen an, um meinen Körper nicht gleich zu schädigen und durch kleine Erfolgserlebnisse die Motivation fürs Laufen am Leben zu erhalten.

Das Problem ist, wenn du irgendwann einmal schnell warst, dann ist das in deinem Kopf so gespeichert, selbst wenn das zwei Jahrzehnte her ist. Bei meinen ersten Läufen über 15 Minuten dachte ich, so muss sich ein Wal fühlen, der gerade an einer Küste gestrandet ist. Die Schwerkraft machte mir doch ziemlich zu schaffen. Meine heimischen Laufstrecken, haben dann auch noch die Eigenschaft, dass sie erst einmal bergab verlaufen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich auf dem Rückweg wieder hoch muss. Das war zum Teil mächtig frustrierend, denn mir kam es vor, dass ich auf einer kleinen Runde mit maximal zwei Kilometern auf dem Bergaufstück doppelt so lange unterwegs war, wie bergab.

Ich begann am 23. April 2014 meine Trainingseinheiten aufzuzeichnen. Das erste Mal, an dem ich das Gefühl hatte, dass ich einfach nur Laufe und nicht den Körper eines fremden Fettchens durch die Gegend hieve war am 29. Mai 2014. Es war immerhin ein Lauftraining über 50 Minuten und ich hatte nach diesen 50 Minuten das Gefühl, ich könne immer weiter laufen. Ich hatte dann im August im Italienurlaub mein Laufequipment dabei, und ich schaffte es tatsächlich mehrfach laufen zu gehen. In der Mitte der zweiten Urlaubswoche hatte ich meine nahezu neuen Laufschuhe ausprobiert. Natural Running! Aber der Umstieg von super gedämpften Schuhen, die Absätze hoch wie Stöckelschuhe haben, auf Schuhe mit nur wenigen Milimetern Sprengung, verursachte eine derart harte rechte Wade, dass eine Woche kein Training möglich war. Ganz zum Überfluss schloss sich an die wiedergenesene Wade ein satter Infekt mit Schnupfen und eitriger Stirnhöhle an, so dass ich eine dreiwöchige Zwangspause einlegen musste.

Den Anschluss an den bis zu meiner Krankheit erreichten Stand, hatte ich relativ schnell wieder aufgeholt. Heute laufe ich wieder regelmäßig, unabhängig von Wind und Wetter und größere Umfänge von bis zu 2 Stunden. Ich bin mittlerweile bei 95 Kilo angekommen und sowohl mein Körper als auch meine Psyche sind wieder belastbarer. Laufen fühlt sich ein bisschen so an wie früher. Das heißt, ich verfluche nicht jeden Meter zu viel , sondern habe Spaß und ein Flow-Gefühl beim Laufen. Beste Voraussetzungen, um sich weitere Ziele fürs Laufen zu setzen und noch mehr Gewicht loszuwerden.

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